Jarhead (DVD)

Wenn die USA in einen Krieg ziehen, gibt es den immer auch nach kurzer Zeit auf der Leinwand zu sehen. Im Falle des 1. Irakkrieges hat das eine ganze Weile gedauert. Bekanntestes Beispiel ist wohl David Russells Satire „Three Kings“, die mir damals nicht besonders gefallen hat. Nun legt Sam Mendes, Regisseur von „American Beauty“ mit seinem neuen Film „Jarhead“ nach. Basierend auf den Aufzeichnungen eines G.I.’s namens Swofford erzählt er von dessen Erfahrungen vor und während der Operation „Desert Storm“. Shooting-Star Jake Gyllenhaal spielt Sergeant Anthony Swofford, der bei den Marines zum Scharfschützen ausgebildet wird.Die ersten Szenen entsprechen dem Standard-Klischee eines modernen Kriegsfilms, komplett mit Drill-Instructor, kuriosen Aufnahmeritualen, Dauerlauf, Gewehrpflege und so weiter. Schließlich besetzt Saddam Hussein Kuwait, und den Soldaten ist klar, dass sie bald in Aktion treten müssen. Aufgeregt und ängstlich reisen sie in die Wüste Arabiens, nur um festzustellen, dass erst noch ein Haufen Diplomatie abgewartet werden muss, bevor man „den Irakern in den Arsch treten“ kann. Damit kommt der Film bei seinem eigentlichen Thema an, der Absurdität moderner Kriegsführung und den spezifischen Erfahrungen der beteiligten Fußsoldaten.

Statt ihrem Feind im Kampf gegenüber zu stehen hängt die Truppe in ihrem Lager herum. Für die Presse muss gute Miene zum bösen Spiel gemacht werden, neben Geländetraining bleibt aber auch noch Zeit zum Footballspielen und ? viel schlimmer ? Zeit, nachzudenken. Erst spät kommen die Marines tatsächlich in Gefechtssituationen, und die entsprechen ihren Vorstellungen dann nicht besonders genau. So ist „Jarhead“ eher ein Film über Menschen im Krieg als ein Kriegsfilm. Nicht die Erfahrung des Kampfes steht im Vordergrund, sondern die Verfassung und das Innenleben der Soldaten.

Sam Mendes findet häufig sehr passende Bilder für seine Geschichte, sein Film erscheint realistisch, ohne diesen Effekt mit Handkamera-Gewackel herbeizuführen. Sein Hauptdarsteller Gyllenhaal („Donnie Darko“) bietet eine solide Leistung, an seiner Seite spielen Jamie Foxx („Ray“) und Peter Sarsgard („Garden State“). Trotz dieser Pluspunkte ist der Film etwas enttäuschend, weil er dem Zuschauer weder etwas Neues und Spannendes vermitteln kann, noch eine packende Geschichte erzählt. Gerade weil der Film zum Thema hat, wie sich kriegerische Auseinandersetzungen in den letzten Jahrzehnten verändert haben, driftet er ins Ungefähre. Angesichts der Planlosigkeit der jungen Soldaten hätte ein Blick auf die Taktiker und Generäle gut getan, jene Führungsriege, die den Krieg tatsächlich plant. Es passiert nicht sehr viel mit den Marines, und dies ist ein zentraler Punkt des Films. Aber gleichzeitig ist dies ein Problem, denn das Publikum hat diesen Punkt recht schnell begriffen, und erwartet eine Entwicklung, die erst zu spät beginnt.

Themen wie Rassismus oder das Fehlen junger Männer mit höherer Bildung in der Armee werden ausgeblendet. Angesichts eines immer noch aktuellen 2. Irakkrieges wirkt „Jarhead“ ein bisschen wie von Gestern. Während die US-Medien von Soldaten berichten, die im Kampf fallen oder von der Allgegenwart der Gewalt in Bagdad gestört und gezeichnet sind, regt sich hier ein Scharfschütze darüber auf, keinen Schuss abgefeuert zu haben. Das mag der damaligen Realität entsprochen haben, doch der Zeitpunkt davon zu erzählen ist denkbar schlecht gewählt.

6/10

Der Ewige Gärtner

Vor ungefähr zwei Jahren gelang dem brasilianischen Ex-Werbefilmer Fernando Meirelles mit „City of God“ ein großer internationaler Erfolg. Seit einer Woche nun ist sein zweiter Spielfilm in den deutschen Kinos zu sehen, die Verfilmung eines Romans von John LeCarre („Das Russland Haus“). „Der Ewige Gärtner“ ist der Engländer Justin Quayle (Ralph Fiennes). Seine Brötchen verdient er sich als Diplomat in Kenia, wo er nebenher sehr viel Zeit auf seinen herrlichen Garten verwendet. So ist er auch mit seinen Pflanzen beschäftigt, als ihm ein Kollege die Nachricht vom tödlichen Unfall seiner jungen Frau Tessa (Rachel Weisz) überbringt.Von nun an führt die Spur erst einmal zurück. In Rückblenden werden wir Zeuge, wie der stets korrekte, sympathische Justin die energische und idealistische Studentin Tessa kennen lernt, wie sich in Afrika einrichten, und worin ihr Alltag besteht. Im Falle von Tessa ist das nicht ganz unkompliziert. Gemeinsam mit dem einheimischen Arzt Arnold (Hubert Kounde) spürt sie den dunklen Machenschaften von westlichen Pharmakonzernen nach. Das Verhältnis des Ehepaares ist in den Wochen vor Tessas Tod gespannt. Justin wähnt sich aus ihrem Leben ausgeschlossen und sie Frau zunehmend in Gefahr. Nach etwa 40 Minuten Spielzeit ist „Der Ewige Gärtner“ wieder in der Gegenwart angekommen, und Justin Quayle versucht den angeblichen Unfall seiner Frau aufzuklären.

Im Milieu undurchsichtiger Geheimdienstler und Lobbyisten ist man von Quayles Recherchen wenig begeistert. Schon bald liegt er mit seinen Dienstherren über Kreuz und fahndet auf eigene Faust. Dieser Mittelteil des Films erinnert fast ein bisschen an die James-Bond-Reihe, so fix geht es von einem Schauplatz zum nächsten. Nach Stationen in London und Berlin geht es zum Finale dann wieder nach Afrika zurück. Meirelles Film gewinnt seine Spannung weniger aus der Aufklärung von Tessas Tod, als vielmehr aus ständig mitschwingenden Zweifeln, dass es ihrem Mann gelingen könnte, die Schuldigen irgendwie zur Rechenschaft zu ziehen.

Die von Ralph Fiennes gespielte Hauptfigur ist glaubwürdig gezeichnet, und so etwas wie das Rückrat des Films. Nimmt man dem friedliebenden, beherrschten Beamten im Außendienst seine immer verzweifeltere Suche nach den Hintermännern eines handfesten Skandals nicht ab, der Film wäre nicht mehr zu retten. Doch die gekonnt inszenierte Geschichte der Quayles und ihrer Beziehung reicht aus, um das Publikum für alles weitere zu interessieren. Im Gegensatz zum grottigen Armutsporno „Jenseits aller Grenzen“ (Sorry wegen der Wortwahl, aber so sieht es nun mal aus!) stimmt hier das Verhältnis zwischen persönlichem Drama und politischen Inhalten, denn beide Seiten kommen nicht zu kurz. Auch wird Kenia hier nicht als von Natur aus paradiesisches, von bösen Männern korrumpiertes Land präsentiert, sondern als ein schönes, aber armes Land, dass auch mit hausgemachten Problemen zu kämpfen hat.

Rachel Weisz füllt ihre Rolle sichtlich motiviert aus, und spart auch die weniger schmeichelhaften Eigenschaften von Tessa nicht aus. Obwohl über die Hälfte des Films nicht körperlich präsent, ist „Der Ewige Gärtner“ ebenso „ihr“ Film wie der ihres Ehemanns. In den Nebenrollen treten eine Menge bekannter Gesichter auf, sei es der schon erwähnte Hubert Kounde (Hubert aus „Hass“), Bill Nighy, der in „Tatsächlich Liebe“ den abgewrackten Rockstar spielte, oder Pete Postlethwaite aus „Im Namen des Vaters“. Soweit mir bekannt ist, beruht die Story nicht auf etwaigen „wahren Begebenheiten“, was sie aber nicht weniger realistisch macht. Die schwierige Mischung aus Thriller, Drama und politisch motiviertem Kino gelingt dabei sehr gut und lohnt den Gang ins Kino nicht nur angesichts der wie üblich zum Beginn des Jahres vorherrschenden Flaute an guten Filmen.

Am Rande sei es auch noch erwähnt: mal wieder (wie schon in „Match Point“) richtig schönes British English zu hören war dem Vergnügen durchaus förderlich. Irgendwann braucht man vom unverbindlichen Ami-Geschnatter a la „you know?“ und „it’s like“ auch mal eine Auszeit. Verstehen Sie?

8/10

Top-Ten 2005

Wie sicher allen Lesern aufgefallen ist, hat diese Website zur Feier des WM-Jahres 2006 ein neues Layout spendiert bekommen. Die Firma dankt ausdrücklich dem Gran Hermano im valencianischen Exil! Irgendwie ist mit der neuen Optik die Top-10-Liste für das abgelaufene Kinojahr abhanden gekommen, weswegen ich die Liste noch einmal hervorgekramt habe. Los gehts!

1. 2046
Ohne jede Vorkenntnis der Filme von Wong Kar Wai hat mich „2046“ sofort überwältigt. Gerne gestehe ich ein, dass ich die Handlung auch nach erneutem Betrachten auf DVD nicht gänzlich geschnallt habe, aber angesichts der Freude, die mir der Film dennoch wieder gemacht hat ist das eher eine gute Nachricht. Die Chancen stehen sehr gut, dass ich mir die DVD (Vorsicht: Mogelpackung: die Bonus-Scheibe hat den Namen nicht verdient) eigenhändig zum Fest der Hiebe als Geschenk aushändige. Nur ganz selten entfaltet Kino eine Sogwirkung wie dieses melancholische Science-Fiction-Liebes-Drama, deshalb findet sich dieser Film mit einem dicken Ausrufezeichen in den Top-10 des Jahres 2005.

2. A History Of Violence
Ein ausgezeichnetes Beispiel für die endlosen Möglichkeiten, die das Medium Film hat, um sich einem Thema anzunähern. David Cronenberg erweckt vor den Augen seines staunenden Publikums den kaltblütigen Mörder in Viggo Mortensen zum Leben. Doch auch die drastischen Bilder können nicht verhindern, dass man sich unweigerlich auf dessen Seite wieder findet. Als wohl formulierte Antithese zu standardisierten, mit zynischer Routine inszenierten Gewaltszenen funktioniert „A History of Violence“ ebenso gut wie als menschliche Fallstudie des auseinander brechenden Alltags einer oberflächlich durchschnittlichen und glücklichen Familie.

3. Batman Begins
Das Wiedersehen mit dem Fledermausmann ist zugleich der gelungenste Blockbuster des vergangenen Sommers. Mit einer prominenten und gut aufgelegten Besetzung macht Regisseur Christopher Nolan Schluss mit lustig und erzählt von den düsteren Anfängen des Comic-Helden. Zum ganz großen Wurf im Action-Genre fehlt ihm noch etwas, doch leistet sich „Batman Begins“ fast überhaupt keine Schwächen. Der Film ist packend, unterhaltsam, bietet spektakuläre Action und eine Story, die vor allem die zwei letzten Batman-Vehikel in ihrer ganzen Verkorkstheit bloßstellt. Ein Lob deshalb auch an die Produzenten, sie haben die richtigen Leute gefunden, um diesen Stoff weiter zu führen. Schönes Ding!

4. Hotel Ruanda
Nicht oft liegt ein Film schwerer im Magen als diese Schilderung des Bürgerkrieges in Ruanda. Fernab von Statistiken und bloßen Fakten verleiht der Film einer Katastrophe unermesslichen Ausmaßes ein schreckliches Gesicht. Großartig gespielt, mit bewundernswertem Gespür für Bilder, die man einem Kinopublikum gerade noch zeigen kann vermeidet „Hotel Ruanda“ sinnlose Schuldzuweisungen. Stattdessen führt er seinem Publikum vor Augen, wie eine kritische Situation völlig außer Kontrolle gerät, wenn alle eventuell zuständigen Kräfte mit der Macht dies zu verhindern die Augen verschließen. Ein Muss für alle, die sich ein wenig für den Rest der Welt interessieren.

5. Kiss Kiss Bang Bang
Als großer Freund der Krimis von Raymond Chandler und dem Genre des Detektivfilms bereitet mir diese Murder-Mystery-Farce besonderes Vergnügen. Mit Leidenschaft für seine vielen Vorbilder stürzt sich der Film in eine irrwitzig vorgetragene, brüllend komische und völlig hanebüchende Story. Die Zeit vergeht wie im Flug, wenn sich Robert Downey Jr. und Val Kilmer eifrig daran machen, diese cineastische Albernheit mit ihrer Anwesenheit zu beehren. „This whole ‚Dead people in L.A.‘ thing“ nennt Downey Jr. die Handlung im Off-Kommentar, und verweist schelmisch darauf, dass bei „Kiss Kiss Bang Bang“ eindeutiger als selten zuvor der Weg das Ziel ist.

6. Match Point
Mag es auch insgesamt kein so bombiges Filmjahr gewesen sein, für Freunde des kleinen bebrillten New Yorkers Woody Allen hat es sich gelohnt. Zunächst bog er im Sommer mit dem herrlich unterhaltsamen „Melinda & Melinda“ um die Ecke, und nun liefert er den grandiosen Schlusspunkt des Jahres. Sein brillant gespielter, ungemein spannender Charakter-Thriller überzeugt auf der ganzen Linie. Die Geschichte zweier gesellschaftlicher Aufsteiger, die sich samt romantischen Verwicklungen in der britischen Upper-Class einnisten wollen ist großartig besetzt, inszeniert und kann auf ein meisterhaftes Drehbuch zurückgreifen. Meine Wahl für das „Best Original Screenplay“. Die Academy wird?s aber wohl anders sehen.

7. Million Dollar Baby
Es hat bis in den Dezember gedauert, bis ich mir diesen Oscar-Gewinner von 2005 tatsächlich angesehen habe. Eine Geschichte, wie sie zu großen Teilen schon zigmal im Kino zu sehen war hat Clint Eastwood mit zusätzlicher Tiefe versehen und eine überraschende Wendung eingebaut, wie man sie eigentlich eher in einem Thriller vermuteten würde. Das Ergebnis ist ein fesselndes, wunderbar gespieltes Drama, dass so gelassen und unprätentiös nur von jemand gemacht werden kann, der nichts mehr zu beweisen hat. Eastwood interessierte sich für den Stoff, heuerte die richtigen Leute an und ließ sich von den ängstlichen Studiotypen nicht mehr reinreden. Erzählte man mir die Handlung in ein paar kurzen Sätzen, ich würde ums Verrecken den Film nicht sehen wollen. Manchmal liegt man einfach nur falsch.

8. Sideways
Ein rundum gelungenes Vergnügen ist dieses Roadmovie von „About Schmidt“-Regisseur Alexander Payne. Seine vier Hauptdarsteller brillieren als ganz gewöhnliche Menschen, deren Leben zwischen Enttäuschung, Euphorie, Melancholie und gutem Wein. Wenn auch zum Ende hin vielleicht ein bisschen arg zuckrig ist „Sideways“ doch ein klassisches Beispiel dafür, dass man erfolgreich Filme machen kann, ohne die ganz große Werbetrommel rühren zu müssen.

9. Sin City
Wenn je eine Comic-Umsetzung hervorragend gelungen ist, dann diese. Virtuos inszenierte Unterhaltung für ein erwachsenes Publikum, gespickt mit einer bestens aufgelegten Riege feinster Darsteller. Nebenbei ist Mickey Rourkes Comeback endgültig perfekt. Erstaunlich, dass es außer Robert Rodriguez nur Tarantino gelingt, mit vergleichsweise bescheidenem Budget erfolgreiches Actionkino zu schaffen. Sollte er beim nächsten Sin City seiner Story (eine könnte reichen) etwas mehr Raum geben, könnte er bei den besten Fortsetzungen ganz oben mitmischen.

10. Various Artists
Leider bin ich beim besten Willen nicht auf zehn Lieblingsfilme mit Kinostart im Jahre 2005 gekommen. Da ich einiges im Kino auch verpasst habe, bin ich aber bester Dinge, diese Lücke sehr bald schließen zu können. Solange hier noch mal drei Filme, die eben gerade so KEIN Material für die Top-10-Liste waren:
„Hautnah“
„Garden State“
„Haus aus Sand und Nebel“
Das kann ich anbieten.

Kritik, Anregungen, Karten für die WM und Barspenden bitte weiterhin an edzardo[at]gmail.com senden!

Caché

Ob Regisseur Michael Haneke seine Idee für diesen Film bei David Lynch abgeschaut hat, darüber ist mir nichts bekannt. Wie in Lynchs „Lost Highway“ bekommt auch hier ein Ehepaar anonym Videos zugespielt, auf denen ihr Haus zu sehen ist, ihr Alltag, ihr Kommen und Gehen. Bei Lynch entwickelte sich das dann zum surrealistischen Albtraum, bei „Cache“ nehmen die Dinge einen anderen Verlauf. Georges und Anne Laurent, ein wohlhabendes Ehepaar in Paris, sind zunächst unsicher, ob es sich vielleicht bloß um einen dummen Streich von Kameraden ihres 12-jährigen Sohnes Pierrot handelt. Als jedoch ein Video mit Bildern von Georges Geburtshaus auf dem Lande auftaucht,können sie diese Idee getrost verwerfen.Georges Laurent (Daniel Auteuil) kommt langsam ein ganz anderer Verdacht. Doch den will er seiner Frau Anne (Juliette Binoche) lieber nicht mitteilen. Das Leben der Laurents ist da längst auf den Kopf gestellt. Das Ehepaar gerät in Streit, weil Georges seiner Frau nicht alles anvertrauen will, und zu den Videos kommen Postkarten, die sogar ihren Sohn in der Schule erreichen. Ein weiteres Video führt zu einer ominösen Tür eines ärmlichen Appartements, hinter der die Lösung des unheimlichen Rätsels zu finden sein könnte. Über den weiteren Verlauf der Story soll hier geschwiegen werden, denn welche lang zurückliegenden Ereignisse einer verdrängten Vergangenheit ans Licht kommen werden, das sollte jeder Zuschauer für sich selbst entdecken.

Die plötzlich ins Leben der Familienidylle tretenden Videos sind monotone Einstellungen, ein reines Abfilmen von alltäglichem Leben. Und auch der Rest von „Cache“ besteht überwiegend aus langen, statischen Einstellungen und verzichtet komplett auf den Einsatz von Filmmusik. So entsteht ein realistisches, zugleich beklemmendes Portrait der ungewöhnlichen Situation. Haneke lässt die gängigen Mittel zum Dramatisieren beiseite, sein ruhiger Bilderfluss wird umso verstörender durch eine (einzige) Aktion unvermittelter Gewalt durchbrochen.

Wie bei den meisten Filmen, die ohne Action, Musik und wilde Kamerafahrten auskommen, rückt auch in „Cache“ der Fokus auf die Charaktere. Die Dialoge rücken in den Vordergrund, die Gesten und Handlungsweisen. Daniel Auteuil spielt Georges als einen korrekten, unscheinbaren Mann mit einem düsteren Hang zur Verdrängung. Juliette Binoch als Anne reagiert ungleich emotionaler auf die Bedrohung von Außen, und erlebt Georges Wortkargheit als schlimmen Vertrauensbruch. Die beiden spielen ihren Alltag genauso überzeugend wie das Ehepaar in einer Notlage, es herrscht ein vertrautes Klima, in dem jedoch bald Brüche sichtbar werden. Ohne diese überzeugenden Leistungen der Hauptdarsteller wäre das Material zum Scheitern verurteilt.

Ein großer Teil des Publikums wird an „Cache“ trotzdem keinen Spaß haben können. Er gehört in jene Kategorie Filme, die längeres Nachdenken nach dem Ende erforderlich machen und sich einer eindeutigen Auflösung entziehen. Der von Anfang an sich aufbauende Spannungsbogen wird über die letzte (wiederum statische) Einstellung verlängert, und lässt vielen Spekulationen ihren Raum. Doch auch während der Laufzeit entwickelt sich eine intensive Spannung, die von der spannenden Prämisse und der intimen Inszenierung lebt und den Film sehenswert macht.

8/10

PS: Wer den Film auf DVD sehen möchte, der sollte in der letzten Szene genauer auf die linke Seite des Bildes achten. Dort sind zwei Figuren im Gespräch zu sehen, die man inzwischen kennt, von denen man aber nicht annehmen konnte, dass sie miteinander Kontakt haben. Dieser Tipp stammt aus dem Internet, mir selbst wäre diese – nicht unwichtige – Feinheit auf meinem kleinen Fernseher sicher nicht aufgefallen.

Wo die Liebe hinfällt

Vor einer cineastischen Ewigkeit verführte eine gewisse Mrs. Robinson den jungen Benjamin Braddock, der sich dann aber letztlich doch lieber mit deren Tochter aus dem Staub machte. Die Rede ist natürlich von der „Reifeprüfung“. Diese Geschichte führt Regisseur Rob Reiner (Harry & Sally) nun weiter. Allerdings, so erfahren wir bereits im Vorspann, ging in dem Film nicht alles mit rechten Dingen zu. In der wahren Geschichte, die als Vorlage diente, gab es am Ende sehr wohl eine Hochzeit, die eben nicht von Benjamin Braddock verhindert wurde. Was ist also aus den Beteiligten geworden?Im Jahre 1997 macht sich Sarah Huttinger (Jennifer Aniston) auf zur Hochzeit ihrer Schwester in Pasadena, dem Schauplatz des damaligen Geschehens. Sarahs Mutter ist früh verstorben, seitdem hat sie die emotionale Bindung zu ihrer Sippschaft ein wenig verloren. Gemeinsam mit ihrem Verlobten Jeff (Mark Ruffalo) möchte sie die Feierlichkeit möglichst schnell hinter sich bringen. Doch dann erfährt sie, dass ihre Mutter eine Woche vor der Hochzeit für einige Tage verschwunden war. Die Verbindung zur „Reifeprüfung“ wird dann hergestellt durch die männermordende Ader ihrer aufgetakelten Großmutter Katharine, wundervoll verkörpert von Shirley MacLaine. Was also, wenn ihre Familie die Vorlage des alten Streifens wäre? Als Sarah dazu feststellt, dass sie ziemlich genau neun Monate nach der Hochzeit ihrer Eltern zur Welt kam, ist sie fest überzeugt, die Tochter des einst von Dustin Hoffman dargestellten Jünglings zu sein. In Beau Burroughs macht sie wiederum dessen reales Vorbild aus.

Statt mit ihrem sympathischen Verlobten zurück nach New York zu fliegen geht sie der Sache nach und trifft jenen Beau Burroughs, gespielt von Kevin Costner, in Persona. Der ist inzwischen Multimillionär und lebt ein aufregendes Leben zwischen Wohltätigkeitsbällen und romantischen Strandhäusern, an dem er die verstörte Sarah bereitwillig teilhaben lässt. Natürlich hat die Geschichte noch ein paar andere Verwicklungen und Missverständnisse parat, die zumeist zum Unterhaltungswert beitragen. Es ist vor allem die erste Stunde des Films, die richtig Laune macht. Jennifer Aniston mag keine große Charakter-Mimin sein, doch eine Rolle wie diese ist wie für sie gemacht. Leidend, grimassierend und himmelhochjauchzend trägt sie den Film auf ihren Schultern. Für diese Rolle ist sie die ideale Besetzung, ist sie doch seit „Friends“ festgelegt auf einen kumpelhaften, leicht neurotischen Typ, dem man einfach nichts krumm nehmen kann. Wer Aniston jedoch nicht mag, kann getrost zuhause bleiben.

Kevin Costner und Shirley MacLaine sind ebenfalls in bester Spiellaune und füllen ihre Figuren mit ausreichend Leben aus. Den vermeintlichen Ballast, Rollen anderer Schauspieler (Anne Bancroft, Dustin Hoffman) weiterspielen zu müssen merkt man ihnen nicht im Geringsten an. Mit bestens geschriebenen Dialogen und einer dem Geschehen durchaus angemessenen, etwas chaotischen Inszenierung läuft „Wo die Liebe hinfällt“ dem Ende entgegen, das jedoch freilich allzu konventionell ausgefallen ist. Ein wenig überzeugender Panikanfall der kleinen Schwester Annie und ein letztes Treffen einiger Beteiligter bereiten den Boden vor für die unausweichliche Hochzeit am Ende. Mark Ruffalo scheint für diesen Part geboren, kam er auf ähnlich filmreife Weise doch schon in Dreißig über Nacht und Flightgirls unter die Haube. Wo die Liebe hinfällt.. setzt seine besten Treffer eher im komischen denn im romantischen Bereich, weshalb sein zuckriges Ende zwar nicht vollends enttäuscht, aber auch nicht so recht zum reizvollen Beginn und Mittelteil passen will.

7/10

München

Der Jahresbeginn 2006 ist eindeutig schwer durch Polit-Kino geprägt. „Der Ewige Gärtner“ prangerte das Zusammengehen von Industrie und Geheimdiensten in Afrika an, „Lord Of War“ wirft einen kalten Blick auf die Realitäten internationalen Waffenhandels. Mit „Syriana“ läuft demnächst noch ein Film an, der die Ölindustrie unter die Lupe nimmt. Ebenfalls allein durch sein Thema ein politischer Film ist Steven Spielbergs „München“, der allerdings nicht so ganz in diese Reihe passen will. Der Film thematisiert die Folgen des Attentats auf israelische Sportler bei den olympischen Spielen 1972 in München. Wer mit den Hintergründen des Anschlags und der folgenden Vergeltungsmaßnahmen nicht vertraut ist, der kann sich unter diesem Link bei der deutschsprachigen Ausgabe der Wikipedia ein Bild machen. Sicher lassen sich im Netz aber noch viele weitere Darstellungen des Geschehens finden. Wer den Film lieber ohne Vorwissen auf sich wirken lasen möchte, sollte hier nicht mehr weiterlesen.„München“ beginnt mit dem Attentat selbst. Die Grausamkeit der Tat und die Leiden der Opfer werden so von Beginn an deutlich, der politische und emotionale Kontext zu dem, was darauf folgt, ist hergestellt. Von nun an ist die zentrale Figur des Films der Mossad-Agent Avner, gespielt von Eric Bana („Hulk“, „Troja“). Er steht einem Team von vier Männern vor, die von der Premierministerin Golda Meir den geheimen und inoffiziellen Auftrag erhalten, 11 mutmaßliche Drahtzieher des Attentats zu ermorden. Unter falschen Namen reist die Gruppe durch Europa, kauft bei ominösen Quellen Informationen und macht sich an ihr blutiges Handwerk. Die Planung der Liquidationen und deren Ausführung nimmt einen Großteil des über zweieinhalb Stunden dauernden Films ein.

Es ist gradezu unmöglich diesen Film allein über die Handlung und den Gebrauch filmischer Mittel zu bewerten. Zu groß ist die politische Brisanz des Themas, zu wichtig vor allem die Frage, ob die Darstellung des historischen Geschehens angemessen und ausgewogen ist. Deshalb hier meine bescheidene, auf mäßig viel Fachwissen basierende Meinung. Der Film ist keineswegs eindeutig zugunsten der israelischen Seite ausgefallen, wie es Kritiker dem Juden Spielberg vorgeworfen haben. Vielmehr hat der Regisseur an unzähligen Stellen Kommentare, Hintergründe und Kritik eingebaut. Innerhalb des Vergeltungskommandos herrscht Uneinigkeit über die faktische Schuld ihrer Opfer. Ein Palästinenser erklärt, warum er Terrorismus für notwendig hält und vergleicht das Streben seines Volkes nach einem eigenen Staat mit dem der Juden, Israel als Heimat für ihr Volk zu gründen. Jeder der getöteten Drahtzieher wird, wie das Publikum erfährt, umgehend ersetzt. Worin also besteht der Sinn, diese Menschen zu töten?

Für den Film nicht unerheblich ist natürlich die Tatsache, dass das Attentat auf die israelischen Sportler Ausgangspunkt der Geschichte ist. Dort, so scheint „München“ zu sagen, kommt die Gewalt her. Ich bin mir sicher, dass es Menschen gibt, die behaupten, das Attentat selbst sei keine Aktion, sondern eine Reaktion gewesen, auf die politische Unterdrückung der Palästinenser durch den Staat Israel. Und da wird es dann knifflig. Die Situation im Nahen Osten ist eben äußerst kompliziert, und ebenso kompliziert ist auch die politische Interpretation von Spielbergs Film. Außer Frage steht lediglich, dass Terrorismus gegen Zivilpersonen vorbehaltlos zu verurteilen ist. Und das gilt auch für die unabsichtlich bei der gezielten Liquidierung von Terroristen getöten Zivilisten. Ein Blick auf das Filmplakat ist ebenfalls interessant. Es zeigt Eric Bana, sitzend und zu Boden blickend. Sieht so ein überzeugter Antiterrorkämpfer aus?

Auf der Ebene der Figuren ist „München“ ein sehr gelungener Film. Der von patriotischer Pflichterfüllung geleitete Avner hat ebenso seine Zweifel an der Richtigkeit seiner Mission wie die meisten seiner Kollegen. Ihm gibt der Film auch als einzigem einen (sehr glaubwürdigen) persönlichen Hintergrund, eine sichtbare Familie. Einzelheiten zum Rest der Besetzung würden leider schlichtweg den Rahmen sprengen.

Von der politischen Bedeutung des Themas abgesehen liefert der Film auch eine gehörige Portion Spannung. Wie bei Spielberg üblich gibt es handwerklich nichts an ihm auszusetzen. Die häufig sehr drastischen Gewaltszenen sind sinnvoll und mit Gespür eingesetzt. Durch einige kleine Kniffe des Drehbuchs ist der Film keine bloße Aneinanderreihung von Grausamkeiten geworden. Rückblenden, kurze Story-Schlenker und Off-Kommentare verlängern so zwar die Spielzeit, verhindern aber geschickt die ewige Wiederkehr des gleichen. Unter dem Strich hat mir „München“ sehr gut gefallen, und lädt wegen seiner Vielschichtigkeit zugleich zum erneuten Betrachten ein. Bis dahin gibt es..

8/10

The New World

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich habe bei Pocahontas immer an ein Märchen von Walt Disney gedacht. Nun, die Zeichentrick-Mär um eine hübsche Häuptlingstochter, die einen Weißen heiratet, hat tatsächlich einen historischen Kern. Regisseur Terrence Malick („Der Schmale Grad“) nähert sich nun mit seinem neuen Film „The New World“ dieser Geschichte an. Sein Film ist im weitesten Sinne ein Abenteuerfilm, der die Besiedlung der späteren USA durch englische Siedler im Jahr 1607 behandelt. Im heutigen Bundesstaat Virginia gehen die Neuankömmlinge an Land, wo sie von den Einheimischen neugierig und etwas mißtrauisch beäugt werden. Unter den Siedlern ist Captain John Smith, gespielt von Colin Farrell.Schon in den ersten Bildern wird sehr deutlich, dass Malick nicht an der bloßen Erzählung einer populären Geschichte gelegen ist. Vielmehr versucht er durch seine ausführlichen, grandiosen Landschaftsaufnahmen und den nachdenklichen Off-Kommentar von Smith und Pocahontas die Erfahrungen der Siedler für sein Publikum erlebbar zu machen, das Staunen über das fruchtbare Land und die Unsicherheit im Umgang mit den Ureinwohnern. Frauen sind bei den Siedlern so gut wie gar nicht an Bord gewesen, weshalb die Erscheinung der indianischen Schönheit Pocahontas umso eindrucksvoller ist.

In langen Einstellungen und ruhigen Bildern erzählt der Film seine Geschichte, die mit der unerfüllten Liebe zwischen John Smith und der jungen Häuptlingstochter noch längst nicht vorbei ist. Indianer und Siedler geraten aneinander, als klar wird, dass die Engländer keineswegs nur auf der Durchreise sind, und auch keine natürlichen Besitzansprüche der natürlichen Bewohner der neuen Welt akzeptieren. Trotzdem ist der Film keineswegs politischer Natur. Er portraitiert die Indianer weder als edle Wilde noch als blutrünstige Barbaren und leistet sich eine fast schon naive Natürlichkeit bei der Darstellung von Annäherung und Verständigung der beiden verschiedenen Völker.

Die Grundstimmung von „The New World“ ist medidativ, die eindrucksvollen Bilder werden schon mal mit (in diesem Fall erstaunlich unpompöser) Musik von Richard Wagner unterlegt. Fast ohne künstliches Licht gedreht spielen alle Szenen am hellichten Tage oder in der Morgen- bzw. Abenddämmerung. Der Film hat seinen erzählerisches Zentrum in der Figur von John Smith, Pocahontas und ihrem späteren Ehemann, greift dabei aber eine Vielzahl von Themen auf. Die Situation der Siedler in den schwierigen ersten Wintern, das Leben eines Europäers unter den Ureinwohnern und ebenso das Leben einer Indianerin unter Europäern. So ergibt sich im Ganzen ein dichtes und realistisches Bild einer lange vergangen Zeit, in der auch die Idee von der Gründung der Vereinigten Staaten als einer neuen und besseren Welt zur Sprache kommt. Doch geht es hier ausschließlich um den Anfang der Besiedlung. Und es ist gerade dieser Beginn, der den Zauber des Stoffes ausmacht. Wäre dies ein Mainstream-Drama, würde am Ende wahrscheinlich noch eingeblendet, wie die Besiedlung fortschritt und die Indianer um ihr Land gebracht worden sind, doch darum geht es dem Film (zum Glück) weder vorder- noch hintergründig.

Terrence Malick hat mit „The New World“ einen Gegenentwurf zu den modernen, schnell geschnittenen Hollywoodfilmen geschaffen. Doch zum Glück kommt sein Film kein bißchen überheblich daher, sondern nimmt die Zuschauermit seiner geruhsamen Erzählweise ganz allmählich für seine Geschichte ein. Das dauert zwar eine Zeit, weshalb sich ein großer Teil des durchschnittlichen Publikums vielleicht recht früh gelangweilt von seinem Film abwendet. Wer sich aber mit Lust auf bildgewaltiges Kino und eine ungewohnte Welt auf diesen Film einlässt, der wird schwerlich enttäuscht werden.

8/10

PS: Ich habe bereits in der Rezension zu „Underworld:Revolution“ geschrieben, der Film sei eher was fürs Kino, und das gilt umso mehr für „The New World“. Erwähnen tue ich das nur deshalb, weil es – wie ich finde – Filme gibt, die zwar sehr gut sind, aber nicht unbedingt im Kino gesehen werden müssen, um ihre Wirkung entfalten zu können. In letzter Zeit wäre da z. B. „Capote“ zu nennen, oder auch „The Weather Man“. Angesichts der Tatsache, dass man selten die Zeit findet, wirklich alle interessanten Filme im Kino mitzunehmen (was definitv die beste Lösung wäre) halte ich eine solche Unterscheidung für sinnvoll.

Die Hochzeitscrasher (DVD)

Ich habe es ja nach all den Enttäuschungen des letzten Jahres nicht mehr für möglich gehalten. Nach den ganzen belang- und witzlosen Komödien aus Hollywood, man denke an „Be Cool“ oder „Meet the Fockers“, kommen mit den „Wedding Crashers“ tatsächlich mal wieder ein paar richtige Lacher über den großen Teich. Den größten Anteil am Erfolg dieses Projekts haben eindeutig Vince Vaughn und Owen Wilson, die sich im Laufe des Films immer wieder über- und unterbieten in Sachen Slapstick, Humor unter der Gürtellinie und sonstigen komischen Einlagen. mehr.. 7/10

Underworld: Evolution

In den letzten Jahren sind vermehrt Versuche gestartet worden, weibliche Actionhelden im Kino zu etablieren. Gelungen ist dies unter anderem den „X-Men“, die mit Halle Berry, Rebecca Romijn und Famke Janssen gleich drei schlagkräftige „X-Women“ zu bieten haben, wenngleich in einem Ensemble, das auch Männer umfasst. Völlig mißraten sind dagegen die Versuche „Elektra“ und „Catwoman“ erfolgreich auf die Leinwand zu bringen. Etwas im Schatten dieser bekannten Namen startete 2003 das Vampir-Spektakel „Underworld“ in unseren Kinos, ebenfalls versehen mit einer hübschen Frau als zentrale Heldin. Kate Beckinsale spielt nun auch im zweiten Teil die Vampirin Selene und schlägt sich dabei wacker.Im Universum von „Underworld“ ist die Welt bevölkert von Menschen (nicht der Rede wert), Vampiren und Werwölfen. Der erste Teil hat das Publikum mit dem Leben und Wirken dieser beiden Rassen vertraut gemacht, nun gibt es, wie der Titel bereits sagt, etwas über die Entstehung der herrschenden Ordnung zu erfahren. Die Geschichte ist dabei gar nicht so unkompliziert, da die Akteure recht flink einen Haufen Namen nennen, deren Zuordnung nicht immer leicht fällt. Schon gar nicht, wenn einzelne Figuren zwischendurch ihre Gestalt verändern. Wer jedoch zu den Guten gehört und wer Böses im Schilde führt, das ist eigentlich immer ersichtlich.

Natürlich kämpft Selene auch dieses Mal wieder für die gute Sache. Im hautengen schwarzen Outfit unter ihrem wehendem, ebenso schwarzen Mantel macht sie im doppelten Sinne eine gute Figur. Unterstützt wird sie von dem „Hybriden“ Michael (Scott Speedman), einer Mischung aus Mensch, Vampir und Werwolf, der gleichzeitig ihr Liebhaber ist. Es geht sehr brutal zur Sache in „Underworld: Evolution“, was einige Kinogänger abschrecken könnte. Freunde von Vampirfilmen wird das weniger stören. Der Film ist ebenso düster wie sein Vorgänger, Tageslicht gibt es ebenso wenig wie hell erleuchtete Räume, was natürlich mit der Natur der Vampire zu tun hat. Es gibt eine ordentliche Portion Action und eine Vielzahl von ansprechenden Kämpfen zu sehen, die zwar nicht besonders aufregend sind, aber mindestens im Kino für ausreichend Thrill sorgen können. Der Film lebt von der Bewegung, und dürfte auf kleinen Bildschirmen einen beträchtlichen Teil seines Reizes verlieren.

So hat sich Regisseur Len Wiseman eine bequeme und erfolgreiche Nische geschaffen, um weiter Geschichten aus seiner dunklen Phantasie-Welt zu erzählen. Bei der Inszenierung des Plots ist durchaus Spielraum nach oben, denn spannende Stoffe können durchaus straffer erzählt werden. Wiseman hingegen bedient sich wie schon im ersten Teil lieber einer verschachtelten Erzählweise, die wie ich zu behaupten wage jedoch keinen Mehrwert einbringt. Letztlich sorgen aber auch weniger die Geschichten um alte Vampirhaudegen und Ur-Werwölfe für gelungene Unterhaltung, als vielmehr die kunstvoll ausgestatten, dynamischen Bilder. Hauptfigur Selene, gleichzeitig attraktiv, gefährlich und geheimnisvoll, passt wunderbar in diese Umgebung hinein, und so wird Kate Beckinsale wohl bald zum dritten Mal in der Rolle dieser Actionheldin zu sehen sein. Davon können „Catwoman“ Halle Bery und „Elektra“ Jennifer Garner nur träumen.

6/10

Transporter 2 – The Mission

Recht entgeistert ob der Sinnlosigkeit des Geschehens wohnte ich vor einigen Jahren dem ersten Teil dieser Actionreihe bei. Die Handlung ist kompletter Tinnef, die Figuren aus dem RTL-Nachmittagsfernsehen. Aber, soviel ist mir seitdem klar geworden, auf diese Dinge kommt es einfach nicht an. Produzent Luc Besson, ehemals recht ambitionierter Regisseur, hat das Material nicht entworfen, um clevere Geschichten zu erzählen, sondern um überdrehte Action mit ein paar Jokes auf den Markt schmeißen zu können. Finanziell muss es sich gelohnt haben, denn was entdecke ich heute in der Videothek? mehr.. 4/10

Dick und Jane

Mit Jim Carrey ist das ja so eine Sache. Früher war er ausschließlich für seine Grimassen bekannt und verhalf damit Filmen wie „Die Maske“ oder „Bruce Allmächtig“ zu großen Erfolgen. Dann überraschte er mit seinem herrlichen Part in „Vergiß mein nicht!“ und gab anschließend den kauzigen Bösewicht Count Olav im amüsant-morbiden „Lemony Snicket“. Die Formkurve zeigte also nach oben. Mit seinem neuesten Film „Dick und Jane“ hat Carrey wie mir scheint weder sich noch seinem Publikum einen Gefallen getan, denn herausgekommen ist nichts Halbes und nichts Ganzes.Carrey spielt den aufstrebenden Angestellten Dick Harper. Gemeinsam mit seiner Frau Jane (Tea Leoni) arbeitet er hart, um sich einen moderat luxuriösen Lebensstil leisten zu können. Und es sieht gut aus für Dick. Sein Arbeitgeber, die Globodyne Corporation, befördert ihn und schickt ihn gleich in eine landesweit übertragene News-Show, um das Unternehmen zu vertreten. Leider stinkt die Sache zum Himmel, denn Globodyne-Chef Jack McCallister (Alec Baldwin) hat die Firma längst an die Wand gefahren und macht sich durch die Hintertür davon, während die Mitarbeiter ihre Pensionen verlieren.

Nach den ersten paar Minuten ist schnell klar, wohin die Reise geht. Dick und Jane suchen verzweifelt neue Jobs, die aber einfach nicht vorhanden sind. Um nicht auch noch ihr Haus zu verlieren, greifen sie zum allerletzten Mittel und fangen an, Raubüberfälle zu begehen. Eine Zeit geht das gut, doch dann besinnt sich Dick darauf, sich an den Leuten zu rächen, die für sein berufliches Scheitern verantwortlich sind. „Dick und Jane“ hätte durchaus ein guter Film werden können, wenn die Macher sich konsequenter an eine richtige Satire gewagt hätten. Wenn ein netter Typ von nebenan auf die Idee kommt, sich am Raubtier-Kapitalismus zu rächen ohne dabei Gefangene zu machen, da wäre doch was draus zu machen gewesen.

Aber trotz einiger Seitenhiebe auf George W. Bush und Enron ist der Ton nicht scharf genug für eine böse Geselschaftskritik. Zu oft verläßt der Film sich auf die komischen Talente Carreys, die jedoch angesichts mäßiger Dialoge und Szenen den Film nicht retten können. Nur wenige Witze funktionieren richtig, der Rest sumpft so vor sich hin. Der vom Originaltitel „Fun with Dick and Jane“ versprochene Spaß ist ein Rohrkrepierer. Die zunächst äußerst dilettantischen kriminellen Gehversuche der Eheleute haben ihre hellen Momente, aber sowohl das davor als auch das danach sind einfach zu lieblos und blaß, um Freude aufkommen zu lassen. Was im Trailer noch wie eine temporeiche Komödie aussah, entpuppt sich als träger Langweiler, dem Ideen und Mut abgehen. Summa summarum wandelt dieses Vorstadt-Ehepaar verdammt nah an der Grenze zur Ungenießbarkeit.

3/10

Kleine Vorschau auf das Kinojahr 2006

Da wären zunächst natürlich die zahlreichen Sequels:

Tom Cruise gibt wieder den Ethan Hunt in M:I 3. Der Trailer verspricht ordentlich Action, was allerdings Teil 2 auch nicht davor bewahrt hat, ein äußerst mieser Film zu werden. Trotzdem, eine Chance sollte man dem Spektakel schon geben. Mit J.J. Abrams sitzt der Schöpfer von Alias und Lost auf dem Regiestuhl, was mir persönlich genau gar nichts sagt, denn ich habe keine der Serien je gesehen.

Nach dem gewaltigen Erfolg ebenfalls unausweichlich war eine Fortsetzung von Fluch der Karibik. Diesen Sommer gibt es also Neues von unser aller Lieblingspiraten Jack Sparrow. Ein unterhaltsames Filmchen sollte dabei rauskommen. 2007 kommt bereits Teil 3, und ich bin mir recht sicher, dass ich spätestens dann auf längere Sicht keine Piraten mehr sehen möchte.

Schon recht bald kommt Underworld 2 in die Kinos. Ein großer Fan des ersten bin ich nicht gewesen, weshalb ich hier frühestens auf DVD zuschlagen werde, spätestens aber never.

Auch die lustigen Mutanten Sabberzahn und Storm, auch X-Men genannt, geben sich wieder die Ehre. Da bleibt in erster Linie abzuwarten, ob der Verlust von Bryan Singer, Mastermind der ersten zwei Filme, die Reihe aus der Bahn wirft oder nicht. Wäre schon schade, andererseits geht’s mir mit den Mutanten auch ähnlich wie mit den Piraten ab 2007.

Sin City 2 Richtige Vorfreude herrscht auf Sin City 2, über den mir allerdings noch nichts weiter bekannt ist, als dass Robert Rodriguez bereits eifrig zu filmen begonnen hat. Ich stelle mir eine namhafte Besetzung vor, die kräftig vor dem Bluescreen abhampelt. Sollte im Ergebnis taugen.

Zu zwei weiteren Fortsetzungen habe ich überhaupt keine Meinung. Erstens Ice Age 2, wobei mir die Urzeitratte schon gefallen hat. Schließlich Basic Instinct 2, der ohne Michael Douglas in die zweite Runde geht. Warum eigentlich überhaupt?

Eher Neustart als Fortsetzung wird Superman Returns werden. Nicht uninteressant, fraglich jedoch ob die Macher aus dem Stoff irgendwas Neues rauskitzeln können. Immerhin ist mit drei oder vier Kinofilmen und einer Fernsehserie schon eine Menge „Superman“ präsent gewesen.

The Departed Wer den Hongkong-Thriller „Infernal Affairs“ gesehen hat, der kann sich eine klare Vorstellung von Martin Scorseses nächstem Film The Departed machen. Er verfilmt die Story mit Leo DiCaprio, Matt Damon und Jack Nicholson neu, diesmal angesiedelt in Boston. Hört sich gut an, wie ich finde. Mal ein zünftiger Thriller statt eines jeden Rahmen sprengenden Superprojekts vom kleinen Mann mit großen Brauen.

Schon seit Monaten läuft der Trailer für V for Vendetta im Kino, anlaufen wird der Film dann im März. Die Story stammt von den Wachowskis (Matrix 1-3), somit sollte der erste Teil sehr gut werden. Von Fortsetzungen ist zum Glück noch nichts bekannt… Die Story kreist um einen geheimnisvollen Helden, der es mit einem imaginären Polizeistaat aufnehmen muss. Eine weibliche Hauptrolle für Natalie Portman ist ebenfalls dabei abgefallen.

Casino RoyaleTraditionell zum Ende des Jahres gibt es dann auch endlich wieder einen neuen Bondfilm. Nachdem vor Wochen Daniel Craig als neuer 007 vorgestellt wurde sind die Dreharbeiten zu „Casino Royale“ in vollem Gange. Regie führt Martin Campbell, der mit Goldeneye schon einmal eine große neue Bond-Ära einleitete. Nach dem herzlosen Die Another Day kann es eigentlich nur besser werden. Wie sich Craig einführt und was für eine Richtung die Produzenten einzuschlagen gedenken ist schwer vorauszuahnen. Falls es jemanden über alle Maßen interessiert, es existieren hunderte Websites, die sich darüber auslassen, wen
n auch nicht allzu zuverlässig. Allein die Gerüchte, wer als Bondgirl dabei sein könnte, sprengen jeden Rahmen.

The Black Dahlia Brian DePalma hat mit The Black Dahlia einen Roman von James Ellroy verfilmt, der schon die Vorlage für „LA Confidential“ lieferte. Die Geschichte eines grausamen Mordes im LA der fünfziger Jahre ist mit Josh Hartnett, Scarlett Johansson und Hilary Swank prominent besetzt. Das Buch ist ebenso drastisch wie spannend, und so könnte es sich hier um großes Kino handeln. Einen Starttermin gibt es leider noch nicht.

Michael Mann ist bekannt für sehr gute Filme, zuletzt war es „Collateral“. Der Mann hat aber vor Urzeiten auch eine Fernsehserie namens Miami Vice aus dem Hut gezaubert, der er nun selber eine Kinoversion spendiert. Colin Farrell und Jamie Foxx spielen die Hauptrollen, der Ton soll recht ernst sein, was zu glauben angesichts der bunten Anzüge und scheelen Sonnenbrillen, an die ich so denken muss, nicht ganz leicht fällt.

Den richtigen Stoff für einen unterhaltsamen Thriller hat Dan Brown mit seinem Sakrileg/ The Da Vinci Code geschrieben. Nun inszeniert Ron Howard das Verschwörungskomplott für die Leinwand, in den Hauptrollen Tom Hanks, Jean Reno und Audrey Tatou. Die Besetzung passt allemal, mit einem cleveren Drehbuch sollte ein kurzweiliges Vergnügen aus dem Material herauszuholen sein.

Soviel erstmal von mir zum Thema, ein kurzer Nachschlag wird in ungefähr einer Woche noch kommen.

Wo die Liebe hinfällt

Vor einer cineastischen Ewigkeit verführte eine gewisse Mrs. Robinson den jungen Benjamin Braddock, der sich dann aber letztlich doch lieber mit deren Tochter aus dem Staub machte. Die Rede ist natürlich von der „Reifeprüfung“. Diese Geschichte führt Regisseur Rob Reiner (Harry & Sally) nun weiter. Allerdings, so erfahren wir bereits im Vorspann, ging in dem Film nicht alles mit rechten Dingen zu. In der wahren Geschichte, die als Vorlage diente, gab es am Ende sehr wohl eine Hochzeit, die eben nicht von Benjamin Braddock verhindert wurde. Was ist also aus den Beteiligten geworden? mehr.. 7/10