Die Dolmetscherin

Was habe ich mich im Kino über den Trailer zu diesem Film geärgert. Peinlich genau wird einem da vermittelt, welche Handlung in welche Richtung laufen wird. Wer soll denn noch ins Kino gehen, wenn man eigentlich schon alles gesehen hat? Dieses Trailerproblem gilt längst nicht nur für The Interpreter, auch die Trailer für etwa Die Insel nahmen zu viel Story vorweg. Nun gibt es die von Nicole Kidman gespielte Dolmetscherin auf DVD zu sehen, und ich war doch neugierig, zu erfahren, ob der Film sich trotzdem lohnen würde.

Um es etwas besser zu machen als die Vorschau zum Film hier nur das Gerüst der Handlung: Sylvia/Nicole Kidman lauscht unabsichtlich einem vermeintlichen Mordkomplott gegen einen international isolierten schwarzafrikanischen Despoten. Eben der wird zu allem Überfluss in New York erwartet, wo er vor der Generalversammlung eine Rede zu halten gedenkt. Um Aufklärung und Schadensbegrenzung bemühen sich fortan die Secret-Service Agenten Tobin Keller und Dot Woods, gespielt von Sean Penn und Catherine Keener. Mit einiger Skepsis gehen sie ihren Spuren nach, denn Sylvia hat eine dunkle Vergangenheit in Afrika und augenscheinlich etwas zu verbergen.

Regisseur Sydney Pollack, der mit Die drei Tage des Condor in den Siebzigern schon einen bemerkenswerten Politthriller abgeliefert hat, hat den Stoff spannend und zügig in Szene gesetzt. Seine gut aufgelegten Hauptdarsteller spielen auf zurückhaltende Weise sehr überzeugend. Sean Penn ist ja nicht gerade als klassischer Mainstream-Held bekannt, und so ist seine Rolle auch hier nicht die eines Superagenten, sondern eines von Problemen und Leiden geplagten Spezialisten für Personenschutz. Nicole Kidman, hier mit blondem Haarschopf, verleiht der mysteriösen Dolmetscherin bis zu dem Punkt Glaubwürdigkeit, an dem diese storybedingt ein wenig bröckelt.

Die Originalschauplätze in und um das UN-Hauptgebäude sind beeindruckend und effektiv in die Handlung eingeflochten, und die Spannungskurve lässt wenig zu wünschen übrig. Ein großer Makel des Films ist jedoch die etwas sehr offen zur Schau gestellte Parteinahme der Filmemacher mit der Institution UN und der damit einhergehenden Kritik an der Bush-Administration, sowie das in sich unschlüssige Finale des Films. Trotz einiger unübersehbarer Hitchcock-Anleihen gelingt es nicht, diese spannende Geschichte zu einem stimmigen Ende zu führen, und so sitzt man zum Schluss doch leicht enttäuscht da, wenn etwas kitschig geratene afrikanische Chorgesänge den Abspann einläuten. Bei allen Mankos ist ?Die Dolmetscherin? für Freunde des gepflegten Thrillers jedoch durchaus sehenswert. Und die Sache mit dem Trailer muss ich auch relativieren, denn der verrät zwar zuviel, aber längst nicht alles.

7/10

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