The Big Empty

Manche Filme klauen so offensichtlich bei bereits bestens bekannter Ware, es wäre eigentlich Frevel zu nennen. In seinem Regiedebut The Big Empty bedient sich Steve Anderson ungefähr gleichermaßen bei Oliver Stones U-Turn und dem Schaffen des postmodernen Mystikers David Lynch. Sein Held John Person, verkörpert von Jon Favreau, ist erfolgloser Schauspieler in LA. Notorisch pleite, bietet ihm sein verschrobener Nachbar einen merkwürdigen Deal an: John soll einen Koffer nach Baker bringen, und den dort in der Wüste einem Trucker namens Cowboy überbringen. Da bleibt gerade noch Zeit, die hübsche Nachbarin Grace mit dem Zahlen der Miete zu beauftragen.

John ist eigentlicher viel zu bodenständig für derlei Jobs, aber die Aussicht auf knapp $ 30 000 ist zu verlockend. Kaum in dem gottlosen Kaff angekommen, macht er die Bekanntschaft mit dem durchgeknallten Heißblut Randy (1:1 Joaquin Phoenix in U-Turn), und einer lässigen Bardame (D. Hannah) samt fideler Streuner-Tochter Ruthie (R. L. Cook), gleichzeitig Randys Objekt der Begierde. Weitere krude Figuren entern die Szenerie, und während der friedfertige John sich in dem Nest beinahe einzuleben scheint verpasst er dauernd den Cowboy, der Gerüchten zu Folge nach ihm Ausschau hält. Zeit für das FBI, einige Fragen an John zu richten, schließlich ist sein Auftraggeber und Nachbar inzwischen einen Kopf kürzer gemacht worden?

Die Lynch-Komponente des Streifens manifestiert sich in den zunächst recht vagen Andeutungen über Außerirdische und der beinahe selbstverständlichen Verschrobenheit sämtlicher Charaktere. Mit Gespür für die richtige Stimmung inszeniert Anderson seine Story, nimmt den gemütlichen Helden mit auf eine abenteuerliche Reise in die Provinz. Doch die alptraumhaften Psychospiele eines David Lynch kann er nicht erreichen, dafür ist die Story trotz aller Kuriositäten zu sehr in Klischees verhaftet. Auch der Fatalismus von U-Turn wird trotz einer sehr ähnlichen Geschichte weder erreicht noch ernsthaft angepeilt. Ohne hier zu viel verraten zu wollen bleibt die Handlung doch recht blass im Vergleich zu den zitierten Vorbildern. The Big Empty bietet 90 Minuten solide, nicht uncharmante Unterhaltung, ein großer Wurf ist er aber längst nicht. Vielleicht sind diese kruden Stories von armen Kreaturen auf der Jagd nach Koffern in der Wüste Kaliforniens einfach arg überstrapaziert worden, oder aber großartige, mehrfacher Betrachtung standhaltende Filme wie Donnie Darko oder Memento haben die Latte einfach zu hoch gesetzt, um dieser kurzweiligen Wüstenkaff-Erzählung einen Platz im oberen Drittel der Kino-Leckereien zu verschaffen.

6/10

Elektra – Female Superhero-Spinoff Wreck

.. hielt sich der Applaus in Grenzen. Einzig Jennifer Garner als dessen Beinahe-Partnerin Elektra wurde wohlwollend zur Kenntnis genommen. Und nicht nur das : sie folgte Halle Berry aka Catwoman und wagte solo einen erneuten Anlauf. Womit dem nun vorliegenden Film die Nummer 2 in Sachen Female-Superhero-SpinOff gebührt. Doch dafür allein gibt’s noch keinen Bonus?

Die Comicfigur Elektra, wenn ich das richtig verstanden habe, ist von höheren Mächten dazu auserkoren, ausgleichend auf die sich auf ewig bekämpfenden Kräfte des Guten und des Bösen zu wirken. Doch zunächst erleben wir sie als Profikillerin, die sich nach ausgeführtem Auftrag auf einem etwas abgelegenen Anwesen etwas Erholung gönnt. Dort bleibt sie mit ihren Alpträumen nicht lange allein, denn ihre neuen Nachbarn, die 13-jährige Abby und ihr Vater bitten die verschlossene Schönheit zum Abendessen. Wenige Minuten später türmen die Drei vor allerhand finsterem Dämonen-Fußvolk und unsere Heldin entdeckt ihre fürsorgliche Ader.Klingt nicht überzeugend? Ist es auch nicht. Meilenweit entfernt von schön anzusehenden Comic-Welten spielt Elektra prinzipiell in unserer Gegenwart. Kein Gotham City-Mikrokosmos, keine X-Men, in dieser Welt ist alles vorstellbar. Leider auch die uninspirierte Geschichte, die man im Film zu sehen bekommt. Mittelmäßige Action und Kampfkunst, sehr viele, aber selten gute Dialoge, hilflos agierende Schauspieler vor vergleichsweise banalen Kulissen – das ist alles, das muss reichen. Tut es natürlich nicht, und deshalb stellt sich recht schnell ein Gefühl von Ratlosigkeit und Desinteresse ein, das nur hin und wieder durch spärliche Spannungsmomente ausgebremst wird. Ein paar nett anzusehende Tricks schaffen ebenfalls keinen Handlungsersatz.

Eine Heldengeschichte braucht aber große Momente und Konflikte, anständige Bösewichte und, egal ob Teil 1 oder Teil 4, eine in sich stimmige Geschichte. Mit allerhand Kniffen bei Musik und Effekten versucht Regisseur Rob Bowman, Interesse zu wecken und sein Publikum bei Laune zuhalten. Leider gelingt es ihm nicht. Jennifer Garner ist das Scheitern des Projekts unterm Strich ebenso wenig anzulasten wie den anderen Schauspielern oder den Special-Effects-Machern. Die vorhandene Leinwand-Präsenz läuft ob der grottig-unterentwickelten Story geradewegs ins Leere. Es scheint so, als hätten die Verantwortlichen ihrem jämmerlichen Streifen selbst keinerlei Bedeutung beigemessen, anders ist dieses Desaster kaum zu erklären. Einfach laufen lassen, irgendjemand wird?s schon rausreißen. Eben nicht. Der Karren ist ohne jeden Umweg in den Dreck gefahren. Schöne Scheiße!

3/10

Mr. und Mrs. Smith (DVD)

Vor wenigen Wochen habe ich in meinen Top-10 des letzten Jahres „Batman Begins“ zum besten Blockbuster des Sommers ausgerufen. Etwas voreilig vielleicht, immerhin fehlten mir zu dem Zeitpunkt noch „The Island“ und auch „Mr. & Mrs. Smith“. Letzterer liegt nun auch auf DVD vor, und ich sehe keinen Grund, meine Aussage zu revidieren. Brad Pitt und Angelina Jolie sind John und Jane Smith. Beide leben oberflächlich ein zufriedenes Vorstadtleben, sind aber in Wirklichkeit hoch bezahlte Profikiller für konkurrierende, geheime Agenturen. Voreinander versuchen sie den Anschein normaler Existenzen aufrecht zu erhalten. Etwa so, als wäre Jamie Lee Curtis in „True Lies“ eben keine gewöhnliche Hausfrau, sondern ebenfalls Superagentin gewesen. Als die beiden sich durch eine ungewollte Begegnung auf die Schliche kommen und von ihren Hintermännern mit der gegenseitigen Liquidierung beauftragt werden, entfachen sie einen Rosenkrieg der besonders bleihaltigen Art.

Zunächst beginnt der Film von Doug Liman („The Bourne Identity“) als mittelmäßige Satire auf das spießige Leben in Suburbia. Gelangweilt von Nachbarschaftsdinners und den neuesten Anlagemöglichkeiten schleichen sich Jane und John recht häufig (und auch voneinander) davon, um gruselige Waffendealer und andere Verbrecher auszuschalten. Die beiden Hauptakteure bringen genug Charme mit, um das Entertainmentlevel hoch zu halten, doch mehr als ein paar leise Schmunzler fallen nicht dabei ab. Im Mittelteil des Films wird es vorübergehend besser, wenn die beiden – innerlich mit sich hadernd – zur Jagd aufeinander blasen, und sich dabei zum ersten Mal richtig nahe kommen. Die Chemie zwischen den beiden Schauspielern stimmt hier zwar, nicht jedoch die innere Logik ihrer Charaktere, was dem Gelingen ergo entgegen wirken muss.

So richtig will der Funke einfach nicht überspringen, weshalb „Mr. & Mrs. Smith“ aber noch lange keine Zeitverschwendung ist. Ordentlich Geballer und ein paar flotte Sprüche sorgen durchaus für gute Laune. Leider nimmt sich der Film für sein Ende zehn Minuten zuviel Zeit und schrammt an die Grenzen der Langeweile. Irgendwie scheint in der Geschichte noch besseres Material zu liegen, als dass, was Liman hier zu Tage fördert. Mit seinem Ansatz, dem Geschehen von Anfang an keinen besonderen Ernst beizumessen, liegt er dagegen goldrichtig. Für triste Stunden im kalten Winter ist der Film keine schlechte Wahl, wenn man nur nicht zuviel von ihm erwartet.

6/10

Fantastic Four

Die Flut von Comicverfilmungen und ihren Fortsetzungen ist etwas zurückgegangen in letzter Zeit. Kein Wunder, schließlich sind mit Elektra und Catwoman jüngst zwei davon kommerziell mächtig baden gegangen. Noch aber überwiegt die Zahl der erfolgreichen Produktionen, und so geben sich nun auch Marvels Fantastic Four auf der großen Leinwand die Ehre. Als einziges wirklich bekanntes Gesicht ist Jessica Alba dabei, den Rest der Besetzung hat man wohl schon mal irgendwo gesehen. Die Story in Kürze: Fünf Wissenschaftler gehen auf eine gefährliche Mission im Weltall und finden sich massiver Strahlung ausgesetzt, die ihre Gene verändert. Sue Storm (Alba) bekommt geheimnisvolle Kräfte und die Fähigkeit, sich unsichtbar zu machen. Ihr Bruder Johnny (Chris Evans) ist als menschlicher Feuerball unterwegs. Reed Richards (Ioan Gruffudd) Körper ist dehnbar wie Gummi, der arme Ben Grimm (Michael Chiklis) hat sich in ein Monster namens The Thing verwandelt, eine Art roter Hulk. Auch der Finanzier des Ganzen, Victor von Doom (J. MacMahon), hat sich in den Weiten des Alls was weggeholt. Wieder auf der Erde gehen die Mutanten unterschiedlich mit ihren neuen Kräften um. Ben verflucht sein neues Dasein, Johnny macht es einen Heidenspaß. Von Doom sieht sein Firmenimperium vor dem Aus, zudem scheint seine Flamme Sue wieder in den Bann ihres vorigen Lovers Reed zu geraten. Das Ende vom Lied: Die Vier kämpfen gegen von Doom, bis schlussendlich alles für die nächsten Teile der Saga angerichtet ist.

Überraschungen hat der Film nicht mal im Ansatz zu bieten. Man hat ihn eigentlich schon gesehen, wenn man auf das Cover schaut. Große Momente fehlen völlig, immerhin hält sich die Zahl der richtig miesen Szenen in Grenzen. Die Besetzung geht in Ordnung, das Tempo stimmt, das Niveau der Special-Effects ist ausreichend und die Abwesenheit einer weiterführenden Story, die man sicher für den nächsten Teil aufgehoben hat, stört auch nicht. Über die Qualität der Comics kann ich nix sagen, doch am Film ist auffällig, dass die Figuren allesamt recht uninteressant und langweilig sind. Von Doom ist der xte Mad Scientist der Filmgeschichte, und von den anderen ragt auch keiner heraus. Da muss man direkt dankbar sein, dass sie wenigstens Superkräfte besitzen, sonst wäre die Chose überhaupt nicht auszuhalten gewesen.

Bei aller Kritik muss aber auch angemerkt werden, dass Entertainment und Action völlig in Ordnung gehen. Woran den Machern definitiv am Meisten gelegen hat. Trotzdem scheint eine gewisse Lieblosigkeit durch, ein routiniertes Aneinanderreihen von soliden Szenen, ohne dass dahinter jemals eine Idee oder ein bestimmter Stil sichtbar würde. Die normalen Menschen sind eine breiige Masse, die unseren egozentrischen Helden hin und wieder zujubeln darf. Deren kleine Fehden untereinander haben eine so offensichtliche Funktion für die Story, dass man ihnen von Anfang an keine Beachtung schenkt. Es handelt sich hierbei um den vielleicht idealsten Film um zwischendurch mal aufs Klo zu gehen. Was soll man schon verpassen?

4/10

Die Hochzeitscrasher (DVD)

Ich habe es ja nach all den Enttäuschungen des letzten Jahres nicht mehr für möglich gehalten. Nach den ganzen belang- und witzlosen Komödien aus Hollywood, man denke an „Be Cool“ oder „Meet the Fockers“, kommen mit den „Wedding Crashers“ tatsächlich mal wieder ein paar richtige Lacher über den großen Teich. Den größten Anteil am Erfolg dieses Projekts haben eindeutig Vince Vaughn und Owen Wilson, die sich im Laufe des Films immer wieder über- und unterbieten in Sachen Slapstick, Humor unter der Gürtellinie und sonstigen komischen Einlagen.Die beiden spielen Anwälte aus Washington, DC, deren liebstes Hobby darin besteht, auf fremden Hochzeiten mächtig abzufeiern, um dann mit schönen Frauen die Nacht ausklingen zu lassen. Um mehr als das geht es in den ersten zwanzig Minuten des Filmes überhaupt nicht, trotzdem stellt sich mit dem flott zusammen geschnittenen Material sofort gute Laune ein. Dann geht es ans Eingemachte: Gesellschaftlicher Höhepunkt ist die Hochzeit einer Tochter des Finanzministers Cleary, und die können John und Jeremy unmöglich verpassen. Als entfernte Verwandte machen sie das rauschende Fest unsicher, am Ende sind sie beide hinter den schönen Schwestern der Braut her.

Jeremy (Vaughn) hat schnell mehr Erfolg, als ihm lieb ist, John (Wilson) hingegen hat eine harte Nuss erwischt. Claire Cleary (Rachel McAdams) hat nämlich ihren Verlobten dabei, was John nicht daran hindert sein Glück zu probieren. Bevor sie sich versehen gehen die Schürzenjäger mit einem großen Teil der Familie auf einen Wochenendausflug, wo die Verwicklungen rasant zunehmen und immer haarsträubender werden. An dieser Stelle hätte der Film leicht langweilig und uninspiriert werden können. Zum Glück jedoch gibt es noch einiges zu lachen. Christopher Walken spielt gekonnt zurückhaltend das Familienoberhaupt, dessen bekloppte Frau ebenso für Lacher sorgt wie die grantige Oma, die ihren Enkel beim Abendessen als „Homo“ bezeichnet. Das Ganze ist nicht unbedingt niveauvoll, aber eben komisch. Fremdschämen ist ebenso angesagt wie gelegentliches Kopfschütteln.

Mit zwei Stunden Laufzeit gibt es die volle Dröhnung der Story, die auch ihre romantischen Fäden geschickt beisammen hält. Die Besetzung ist bis in die Nebenrollen wunderbar, das Drehbuch variiert geschickt das Unausweichliche, ohne dabei zu sehr auf lahmen Running-Gags herum zu reiten. Wenn zum Ende auch noch Will Ferrell einen Gastauftritt als Urvater aller Hochzeitscrasher absolviert ist das Maß schon fast voll, am Gelingen des Films ändert das aber nichts mehr. Der Film ist kein zweiter Lebowski, aber er holt doch das Maximum aus seiner Story heraus. Owen Wilson erreicht dabei das Level von Zoolander, dass ich Vince Vaughn schon einmal derart lustig gefunden hätte wüsste ich so nicht. Obwohl?, hat irgendwer mal „Swingers“ gesehen?

7/10

An Deiner Schulter

Manchmal fragt man sich doch, was in den Köpfen jener Menschen vorgeht, die für die deutschen Übersetzungen von Filmtiteln verantwortlich sind. „In Good Company“ wurde hier mit dem langweiligen Titel „Reine Chefsache“ rausgebracht, „Rumor Has It“ bekam den etwas sülzigen Titel „Wo die Liebe Hinfällt“, und nun übersetzt sich „The Upside of Anger“ mit „An Deiner Schulter“. Why is it? Nun denn, man sollte sich davon nicht abschrecken lassen, der Film ist keine Standard-Romanze sondern hat einiges mehr zu bieten. Ein bißchen erninnert das Geschehen an „American Beauty“, wenn es auch nicht ganz dessen Klasse besitzt.Joan Allen spielt Terry Ann Wolfmeyer, Mutter von vier Töchtern und wohnhaft in einem noblen Vorort von Detroit. Ihr Ehemann hat sie gerade verlassen, wie man munkelt ist er mit seiner schwedischen Sekretärin durchgebrannt. Terry frönt zunächst kräftig dem Alkohol, während sie probiert ihr neues Leben allein mit ihren Töchtern, irgendwie auf die Reihe zu kriegen. Sie ist tief verletzt und wütend, gleichzeitig gewillt sich nicht unterkriegen zu lassen. In ihrem Nachbarn Denny Davies, einem ehemaligen Baseball-Star, gespielt von Kevin Costner, findet sie bald einen Trinkgenossen, der sich offensichtlich für das Leben im Hause Wolfmeyer interessiert. Zum Mißfallen von Terry verschafft er der ältesten noch zuhause lebenden Tochter Andrea (Erika Christensen) einen Job beim Radio, wo er täglich eine kurze Show moderiert.

Auch ansonsten ist einiges los in der schönen Vorstadt. Tochter Emily (Keri Russell) leidet unter Essstörungen, die augenscheinlich mit ihrem dringenden Wunsch, Balletttänzerin zu werden, zu tun haben. Nesthäkchen Popeye (Evan Rachel Wood) sucht sich als erste Liebe ausgerechnet einen hübschen Kerl aus, der sich für schwul hält. Und auch die sich anbahnende Romanze mit dem routiniert vor sich hin vegetierenden Denny kommt nur schleppend in Gang. Dominiert wird das Familienleben und auch der ganze Film jedoch von Terry selbst. Mit ihr auszukommen ist nicht ganz einfach, denn nach außen hin ist sie ein ziemlicher Besen. Mitunter gänzlich taktlos und grob, von Zweifeln und Unwissenheit gequält und dabei in einem permanten Alkoholrausch zwischen leicht angetrunken und rabenvoll, versucht sie mit dem großen Rückschlag fertig zu werden. Joan Allen ist dabei sehr überzeugend, hin und wieder schon an der Grenze zum Overacting. Auch Kevin Costner hat viel Spaß an seiner Rolle. Auf seine alten Tage entwickelt er sich noch zum sympathischen Nice Guy, der eine Figur wie Denny Davies lässig und glaubwürdig verkörpern kann.

Die Charaktere haben alle Ecken und Kanten, und „The Upside of Anger“ führt den Zuschauer stilsicher und kurzweilig durch das Auf und Ab der chaotischen Familie. Amerikanische Vorstadt-Dramen sind wahrlich keine Seltenheit und können einem auch gerne mal langweilig werden. Nicht so in diesem Film, der mit seinem gelungenen Drehbuch und seinen starken Darstellern weitgehend überzeugen kann. Ob man sich für verlassene Ehefrauen, Sorgen und Nöten von amerikanischen Teenies und versoffene Ex-Baseballspieler interessiert, sollte man natürlich vorher mit sich abgemacht haben. Einzig das Ende geht völlig in die Hose, weil es die innere Logik komplett vernichtet und dem Geschehen sozusagen im Nachfassen die Beine wegzieht. Das hätte wahrlich nicht sein müssen.

7/10

Demnächt wieder mit Bewertung

Moinsen,

groß war das Echo zwar nicht, aber es scheint Euch mehrheitlich besser zu sein, wenn zu ner Rezension auch ne Punktwertung gehört. Demnächst also am Start, nach imdb.com-Manier sind 10 Punkte das Maximum, ein Punkt ist der ultimative Abpfiff. Siehe etwa Seagals The Patriot, wenn er mal wieder auf RTL 2 läuft.

Ich ab, viel Sass dabei!

Hotel Ruanda You`re not even a nigger, you`re an African

Es gibt da so Filme, da kommt man mit den üblichen Kategorisierungen und Beschreibungen nicht wirklich weiter. Ob Komödien lustig, Thriller spannend und Dramen glaubwürdig sind ? die Genres geben nicht nur einen Handlungsrahmen, sondern auch eine bestimmte Erwartungshaltung vor. Etwas anders liegt der Fall bei ?Hotel Ruanda?, der sich mit dem verheerenden Genozid in Ruanda vor gut zehn Jahren befasst. Wer von Euch etwas über diesen Film gehört hat, der ahnt vielleicht bereits, dass hier ein Musterbeispiel für so genannte ?schwere Kost? am Start ist. Und ja, sicher ist der Film kein Kinovergnügen, er lässt kein Abschalten zu. Kinos, die den Film zeigen, könnten Sitze ohne Sessel anbieten, denn so richtig zurücklehnen mag man sich beim Betrachten sowieso nicht.

Die Erwartungen des Publikums sind, sofern rudimentäres Vorwissen da ist, `grausam`. Schließlich geht es um eine üble Katastrophe, schlimmer noch, um Massenmord, der hätte verhindert werden können. Der Inhalt im Schnelldurchlauf: Nach einem Friedensvertrag mit Tutsi-Rebellen kommt der Präsident bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Die durch Regierung und öffentliche Meinung angeheizten Massen von Hutus (vor allem Milizen und Militär) gehen innerhalb kurzer Zeit an ihr grausames Werk, die Minorität der Tutsis (von den ehemaligen Kolonialherren bevorzugt) auszurotten. Hotelmanager Paul (Don Cheadle), ein mit einer Tutsi verheirateter Hutu, kann seine Familie grade noch ins Hotel Milles Collines retten. Schon bald kommen weitere Flüchtlinge, die bei ihm Unterschlupf suchen und finden. Mit Schmiergeldern und Günstlingswirtschaft hält Paul den Laden am Laufen. Doch als klar wird, dass die Internationale Gemeinschaft (sprich UNO, NATO oder sonst irgendjemand) keine Friedenstruppen schicken werden, der Genozid weiter betrieben wird und ihm die Schmiergelder ausgehen, wird die Luft für die Flüchtlinge im Hotel Ruanda dünn.

Selten ist ein Stück Politik/Neuere Geschichte so überzeugend auf die Leinwand gebracht worden. Der an ?Schindlers Liste? erinnernde Kunstgriff eine ? einigermaßen ? optimistische Geschichte vor dem Hintergrund eines Völkermords zu erzählen funktioniert aus mehreren Gründen. Erstens ist das Grauen gerade noch erträglich, was Regisseur Terry George einem zumutet, zweitens ist die Geschichte wahr und belegt, drittens greift der – siehe Schindlers Liste – Vorwurf nicht, unermessliches Leid mit magersüchtigen Statisten aufgewogen zu haben. Die von berauschten Killern verübten Morde mit Macheten und anderen primitiven Waffen lassen sich darstellen, ohne Hinterbliebene zu verärgern. Dabei hält der Film die Balance, den Schrecken deutlich sichtbar zu machen, dabei aber den Magen des Zuschauers und die wirklich interessante Geschichte um die ?Gäste? des Hotels nicht aus den Augen zu verlieren.

Don Cheadle, bekannt etwa aus ?Boogie Nights? und Soderberghs ?Ocean?-Filmen, führt eine großartige Darstellerriege an, von denen die allermeisten hierzulande unbekannt sind. Mit Joaquin Phoenix, Nick Nolte und Jean Reno sind lediglich die Nebenrollen für Weiße mit prominenten Namen besetzt. Trotz des politisch brisanten Hintergrunds ist es gelungen, ein zutiefst menschliches Drama zu erzählen. Der Kontrast gegenüber schäbigen Gutmenschen-Schmonzetten wie ?Jenseits aller Grenzen? könnte nicht größer sein. Wenn irgendein Film der letzten Monate das veraltete Prädikat ?besonders wertvoll? verdient, dann ist es ?Hotel Ruanda?. Fesselndes, empörendes und überzeugendes Kino für alle, die sich zwei Stunden Zeit nehmen mögen, in eine erschreckend aktuelle Vergangenheit einzutauchen. Einziger Wehmutstropfen: auch ein international erfolgreicher Film wie dieser kann weitere Konflikte ? siehe Dafur ? weder verhindern noch hat er es geschafft, dieses Thema aus der ?traurige Nachrichten aus Afrika?-Nische heraus zu holen.

Melinda and Melinda – Neues von Woody Allen

Er mag nicht mehr der Jüngste sein, aber Woody Allens künstlerischer Output ist immer noch beeindruckend. Jedes Jahr bringt der kleine Mann einen neuen Film heraus, und auch wenn hin und wieder mal ein schwächerer dabei ist ? die neunzig Minuten seiner Streifen vergehen in der Regel wie im Flug und hinterlassen keineswegs das Gefühl, man hätte seine Zeit vertan. Alles andere als Zeitverschwendung ist auch Allens neuestes Werk, ?Melinda and Melinda?. Mit der Gelassenheit eines alten Meisters hat er einen Film über Kreativität, Filmschaffen und ? natürlich ? über mit ihrem Leben irgendwie unzufriedene Einwohner Manhattans gedreht.

Die Rahmenhandlung bildet eine Tischrunde in einem chinesischen Restaurant, in der vier muntere Intellektuelle beisammen sitzen. Während einer als Freund der Komödie auftritt, ist sein Kollege eher der Tragödie zugeneigt, und dies trifft auch auf ihre Wahrnehmung des Lebens generell zu. Ein dritter schlägt ein Experiment vor: er erzählt den Anfang einer wahren Geschichte, die einer gewissen Melinda. Diese junge Frau platzt unangemeldet in die gesittete Dinnerparty eines Ehepaars herein. Was treibt sie dahin? Woher kommt sie? Wie reagiert die Gesellschaft? Feste Größen in den folgenden zwei Geschichten sind die Ehemänner der Dinnergastgeber, die beide Schauspieler sind, außerdem vom Ehepaar unternommene Kupplungsversuche und Bekanntschaften Melindas mit Pianisten.

Radha Mitchell verkörpert in beiden Erzählsträngen die Melinda. Einmal ist sie eine alte Freundin mit psychischen Problemen, die im Hause von Lee (Jonny Lee Miller) und Laurel (Chloe Sevigny) Unterschlupf sucht, um ihrer turbulenten Vergangenheit zu entkommen. In der zweiten Version der Geschichte ist sie die neue Nachbarin von Hobie (Will Ferrell) und Susan (Amanda Peet), und stört dort eine Runde, in der die Filmemacherin Susan Geld für ihren neuen Film sammeln will. Der Film schneidet nun zwischen den beiden Stories hin und her, und richtet seinen Fokus zunehmend auch auf die anderen Hauptdarsteller, für die Melindas plötzliches Erscheinen mitunter weitgehende Konsequenzen hat.

Ein wahrer Glücksfall ist die Besetzung von Will Ferrell als Hobie. Dem exzellenten Komiker, der bis jetzt meist in Klamotten wie ?Old School? verheizt wurde folgt die Kamera hier zeitweise sogar, wenn die Action ganz woanders spielt. Er ist mit seinem Unglück und seinem herrlichen Witz am ehesten ein ?Ersatz? für Woody Allen, der hier ausschließlich hinter der Leinwand fungiert. Radha Mitchell überzeugt in der schwierigen Doppelrolle, immerhin muss sie in zwei unterschiedlichen Filmen spielen, in der sie jeweils die meisten Szenen hat. Gekonnt bringt sie die Unterschiede der beiden Melindas zum Ausdruck.

Der Experiment-Charakter nimmt die Enden der beiden Erzählungen gewissermaßen vorweg, weshalb ?Melinda and Melinda? kein leidlich spannender Film geworden ist. Wohl aber einer, der dem Zuschauer eine Vielzahl interessanter Charaktere zu bieten hat, deren Taten und Motive durch den quasi zwangsläufigen Ablauf des Geschehens hin und wieder ein wenig gezwungen wirken. So lernt Melinda in der tragischen Episode einen sympathischen Pianisten namens Ellis kennen, der bald feststellt, dass ihre Freundin Laurel eine außergewöhnlich begabte Klavierspielerin ist? Die andere Melinda lernt ? nach einem brüllend komischen Verkupplungsversuch mit einem Milliardär – ebenfalls einen Pianisten kennen, sehr zum Missfallen von Hobie, der sich in seine neue Nachbarin verliebt hat, sich jedoch nicht traut, seiner Frau die Wahrheit zu sagen.

Woody Allen geht mit seiner Idee hohe Risiken ein, indem er dem Zuschauer vorführt, wie ihn das Medium Film manipuliert, und er ihm die Entstehung einer fiktiven Geschichte aus dem Nichts heraus verdeutlicht. Während der Regisseur selber in früheren Werken häufig mit den von ihm gespielten Figuren gleichgesetzt wurde, weil einige Anleihen bei der Realität nicht zu übersehen waren, gibt es in ?Melinda and Melinda? nur den realistischen Rahmen einer über Wesen und Sinn von Komödie und Tragödie diskutierenden Tischrunde, der Großteil des Films dagegen ist offensichtlich pure Fiktion und hat einen speziellen sekundären Charakter. Dass sein Film trotzdem nicht den unangenehmen Beigeschmack einer Stilübung hat, liegt an der meisterhaften, lakonischen Inszenierung und der sehr guten Besetzung. Nicht zu vergessen auch die vielen köstlichen Dialoge und der einzigartige Humor eines typischen Woody Allen Films. Und die Freude geht noch weiter, schließlich arbeitet der alte Herr schon wieder an einem neuen Werk.

Die Tiefseetaucher Hochsee-Nonsens bald auf DVD

Zwei wahrlich hoch gelobte Talente stecken hinter diesem Film, dessen Originaltitel „The Life Aquatic With Steve Zissou“ bereits ähnlich merkwürdig klingt, wie der Film letztlich selbst ist. Regisseur Wes Anderson lieferte zuletzt mit „The Royal Tenenbaums“ ein herrlich überspitztes, märchenhaftes Familienportrait, in dem auch der Hauptdarsteller seines neuen Films, Bill Murray, mitspielte. Der ist seit dem großen Erfolg von „Lost in Translation“ ebenfalls wieder obenauf, und so waren die Erwartungen an diesen Streifen nicht eben gering. Bis in die Nebenrollen hat Anderson seinen Streifen mit Anjelica Houston, Willem Dafoe, Cate Blanchett, Owen Wilson und Jeff Goldblum hochkarätig besetzt.

Als ich den ersten Trailer zum Film sah, fragte ich mich ernsthaft, ob die darin gezeigten kleinen Gags tatsächlich taugen sollten, den Film einem großen Publikum zu verkaufen – ich war mir sicher, dass der Trailer einfach schlecht gemacht ist. Nun bin ich da nicht mehr so sicher, denn die kleinen, leicht verständlichen Späße sind vielleicht noch das greifbarste, unmittelbarste ?Verkaufsargument? für dieses ungewöhnliche Machwerk. Angelehnt an den (Vorsicht: Klassiker!) mir völlig unbekannten Meeresbiologen Jacques Yves Cocteau geht hier die Mannschaft von Skipper Zissou (Murray) auf große Fahrt.

Dessen alter Gefährte wurde von einem Jaguar-Hai getötet, wie bereits im Vorspann zu erfahren ist. Dieser stellt zugleich ein Auszug aus Zissous jüngstem Dokumentarfilm dar und wird von Premierenpublikum mit einer Mischung aus Unglauben und Mitleid aufgenommen. Der kauzig-melancholische Biologe scheint am Ende seines einstigen Ruhmes zu sein und schwört dem Hai persönlich und auf offener Bühne Rache. Bevor die Mannschaft in ihren blauen Anzügen und roten Wollmützen jedoch aufbricht, gesellen sich zwei weitere Figuren hinzu. Der Pilot Ned (Owen Wilson) stellt sich Zissou als sein Sohn vor (wobei sich beide über die tatsächliche Vaterschaft nie so richtig klar zu werden scheinen) und wird sofort angeheuert. Ebenfalls mit von der Partie ist die schwangere Journalistin Jane (Cate Blanchett), der Zissou mit großer Skepsis begegnet.

Was nun folgt ist eine wahrhaft groteske cineastische Reise von großem Einfallsreichtum. Die unbezahlten Praktikanten, die auf der Belafonte ihren Dienst verrichten, tragen ebenso zur Erheiterung bei wie philippinische Piraten, die merkwürdige Dreiecksbeziehung zwischen dem Kapitän, Ned und Jane, die Filmproduzenten und Geldgeber, die Hochseekonkurrenz und Zissous eigenartig abwesend wirkend Ehefrau Eleanor (A. Houston). Da sitzt man ganz selbstverständlich mit der Taucherbrille im Whirlpool, begleiten zwei mit Kameras ausgerüstete Albino-Delphine das Schiff auf all seinen Wegen, und am Ende findet die bunte Crew tatsächlich den seltenen Jaguar-Hai. Nur, was mit ihm machen?

Wes Anderson hat also einiges zu bieten, jedoch nicht unbedingt das, was viele Zuschauer von einem Kinofilm erwarten: eine kohärente Story und plausible Charaktere. In bunten Bildern und mithilfe zahlreicher animierter (Meeres)Gestalten schafft er eine wunderschön anzusehende Zwischenwelt, die er mit skurrilen Typen, absurden Actionsequenzen und gelegentlich eingestreuten lakonischen Witzen bevölkert. Wirklich schlau wird man aus dem bunten Potpourri nicht. Zum Glück jedoch spielt Anderson mit offenen Karten und erweckt niemals den Anschein, als wolle für seine verrückte Welt eine umfassende Erklärung liefern. Unterlegt mit einem teils elektronischem, teils aus auf Portugiesisch vorgetragenen David Bowie-Songs bestehenden Score tagträumt er sich bis zum Finale des Films. Es gibt zwar Anleihen bei der Realität, aber nie ohne einen mitgelieferten Beweis für die komplette Fiktion des Geschehens, teils durch schlichtweg bescheuerte, kleine Brüche in der Erzählung oder einfach durch die überdeutlich als solche erkennbaren Kulissen. Übrig bleibt ein sicherlich verunsichertes, zum Teil bestens amüsiertes Publikum mit der einfachen Frage, was der veranstaltete Zauber eigentlich bezwecken sollte. Nun, ick wees et ooch nich. Aber Spaß hat es schon gemacht?