Code 46

Irgendwie sind es in letzter Zeit immer die eher kleinen, weniger aufwändigen Produktionen des Science-Fiction-Genres, die zu gefallen wissen. Los ging es vor zwei Jahren mit Equilibrium, es folgte der ebenfalls ansehnliche The Final Cut, und nun Michael Winterbottoms Code 46. Sein Film spielt in nicht allzu ferner Zukunft, was z. B. daran zu erkennen ist, dass die Menschen noch mit den gleichen Autos und Flugzeugen unterwegs sind wie wir heute auch. Raumschiffe und auch Aliens gibt es nicht zu sehen. Und doch ist man sofort überzeugt, dass die Welt des Films nicht die unsrige ist. Die Menschen sprechen ein Gemisch aus Englisch, Französisch und Spanisch (das Goethe-Institut hat versagt!), kommunizieren über hypermoderne Videoübertragung, und überall gibt es Kontrollen und Überwachung. Den neuen Menschen ist es verboten, sich untereinander fortzupflanzen, ohne vorher ermittelt zu haben, ob nicht eine zu enge Verwandtschaft ihrer Gene besteht. Dies ist, aus welchen Gründen wird nicht genannt, relativ wahrscheinlich. Ein Vergehen dieser Art wird als Code 46 bezeichnet.Tim Robbins spielt William, dessen Job es ist, Betrüger ausfindig zu machen. Seine Methode ist ungewöhnlich. Er steht unter dem Einfluss einer ominösen Empathie-Droge, und ist so in der Lage, nach einem kurzen Gespräch mit einem Menschen dessen Geheimnisse zu ergründen. Sein Auftrag führt William nach Shanghai. Die Stadt gleicht in etwa dem Tokio in Sofia Coppolas Lost in Translation, sie ist fremd, kalt und unheimlich. Von seinem Hotelzimmer fährt er zu dem Pharmakonzern, der seine Hilfe angefordert hat. Doch er lässt die junge Täterin Maria (Samantha Morton) ungestraft davon kommen, während er einen Unschuldigen zum Täter erklärt. In der U-Bahn trifft er die Frau wieder, die ihn ebenfalls durchschaut hat, und zwischen dem verheirateten William und der einsamen, verträumten Maria entwickelt sich eine kurze, aber heftige Romanze.

Damit befinden sich die zwei erst am Beginn ihrer Reise und Flucht vor der Unmöglichkeit ihrer Beziehung. Doch lebt der Film weniger von der Handlung als von der allgegenwärtigen, transzendenten Stimmung, die den Zuschauer langsam gefangen nimmt. Die beiden Hauptdarsteller agieren sehr zurückhaltend und lassen den befremdlich wirkenden Schauplätzen Raum, ihre Wirkung zu entfalten. Aus der Vergangenheit kommentiert Maria das Geschehen in einem Off-Kommentar und lässt die Ereignisse ihrer wenigen gemeinsamen Tage noch einmal Revue passieren. Code 46 verlangt die Bereitschaft des Publikums, das Szenario anzunehmen und sich auf die ungewöhnliche Liebe zwischen William und Maria einzulassen. Dafür bietet er eine einfallsreiche und wunderbar erzählte Geschichte in einem zwar action- aber keineswegs ereignislosen Science-Fiction-Film. Nur wer bei diesem Genre sofort wohlwollend an Riddick und Starship Troopers 2 denkt, sollte wahrscheinlich besser die Finger davon lassen.

7/10