Femme Fatale

„Mission:Impossible“ von 1996 war Brian DePalmas letzter Hit. Seitdem ist seine Karriere ein wenig ins Stocken geraten, und auch mit seinem neuesten Film ist er – zumindest in den USA – kommerziell baden gegangen. Was schade ist, aber auch nicht wirklich überrascht, wenn man „Femme Fatale“ gesehen hat. Der Titel spielt ganz offensichtlich auf die Noir-Filme der 40er und 50er Jahre an, und so beginnt der Film auch mit Szenen aus einem der alten Klassiker, Billy Wilders „Double Indemnity“. Den guckt sich Diebin Laure (Rebeca Romijn-Stamos) im Fernsehen an, während ihr Auftraggeber ihr letzte Anweisungen gibt. Darauf beginnt eine der schönsten Diebstahl-Szenen der letzten Jahre und es wird klar, daß der Meister solcher Filme wie „Dressed to Kill“, „Blow-Out“ und „The Untouchables“ sein Handwerk nicht verlernt hat.

Bei einer Filmpremiere der Festspiele von Cannes trägt die Freundin des anwesenden Regisseurs ein sündhaft teures Schmuck-Etwas anstelle eines Oberteils. Auf eben dieses haben es Laure und ihre Partner abgesehen. Zur wunderbaren Musik von Ryuichi Sakamoto („Der letzte Kaiser“) machen sich die Diebe an ihr Werk. Laure verführt die Trägerin der Beute auf dem luxuriösen Damenklo, während ihre Partner die Wärter an der Nase herumführen. Doch, wie sollte es anders sein, im letzten Moment geht etwas schief und Laure macht sich allein mit der Beute aus dem Staub.

Sie flüchtet nach Paris, wo sie mit einer jungen Frau namens Lily verwechselt wird, die sich kurz darauf umbringt. Laura steigt unter dem Namen der Verstorbenen in ein Flugzeug nach Amerika, wo sie den reichen Ex-Unternehmer Watts kennen lernt. Nach 30 Minuten Film und der Einblendung „Sieben Jahre später“ ist Watts Botschafter in Paris, Laure (jetzt Lily) seine Frau und die Story beginnt erneut – mit einem Foto, daß Paparazzi Nicolas (Antonio Banderas) im Auftrag ominöser Hintermänner von Laura/Lily schießt. Klingt kompliziert? Ist es auch – und auch wieder nicht. DePalma hat mit „Femme Fatale“ eine herausragend inszenierte Stilübung absolviert. Seine Hauptdarstellerin ist eine Variante der von Kim Novak gespielten Madeleine aus Hitchcocks Meisterwerk „Vertigo“.

Um diese herum entwirft der Regisseur eine traumhafte Welt voll von Betrug, Sex und Gewalt. Keine schöne Welt, aber eine, die schön anzusehen ist. Auch wenn der Film sein – wohl wenig zahlreiches – Publikum sehr wahrscheinlich spalten wird, so werden die Bilder und die Eindrücke, die er hinterläßt, jedem Zuschauer wohl länger im Gedächnis bleiben, ganz gleich ob wohlwollend oder widerwillig. „Femme Fatale“ erinnert in seiner mysteriösen Traumhaftigkeit zuweilen ein wenig an David Lynchs „Mulholland Drive“. Doch im Gegensatz zu Lynch läßt DePalma letztlich wenige Fragen offen, was die Einen enttäuschen und die Anderen zufriedenstellen mag.

Darüber, ob die Aufklärung und das Ende einen zu hohen Preis für die „Glaubwürdigkeit“ oder einen gelungenen Abschluß des Films darstellen, werden Cineasten wohl noch lange diskutieren. Ich persönlich kann gut damit leben – und ich habe das Gefühl, Brian DePalma ist das sowieso völlig egal. Irgendwo zwischen Hommage und Persiflage angesiedelt schrammt sein Film manchmal hart an der Grenze des guten Geschmacks vorbei – und vielleicht auch darüber hinaus. Was bleibt, sind 110 äußerst kurzweilige Minuten, die so ziemlich alles beinhalten, was Kino faszinierend macht.

5/5

Daredevil

Unzählige Comic-Verfilmungen hat uns Hollywood in den letzten Jahren bereits beschert, doch nach dem immensen Erfolg von „Spider-Man“ legen die Studios noch eine Schippe drauf, was die Anzahl der Filme angeht. „Daredevil“ wurde bereits im Frühjahr in die Kinos gebracht, und ist nun bereits auf DVD erhältlich. Ich habe in meinem Leben nicht ein einziges Comicheft gelesen, dessen Protagonist es zu auf die Kinoleinwand gebracht hat. Will sagen: ich habe keine Ahnung, inwiefern „Daredevil“ und andere Verfilmungen ihrem „Original“ entsprechen, was geändert wurde, und so weiter. Deshalb bitte keine erbosten Zuschriften der Marke „Daß war doch im Comic alles anders!“, die nicht der Aufklärung dienen, wenn ich bitten darf. Darf ich? Doch nun zum Film. Matt Murdock ist 14 Jahre alt, als er durch einen Unfall sein Augenlicht verliert. Sein Vater, ein Ex-Boxer, ist nicht ganz unschuldig an dem Unfall gewesen, und so schwören sich Vater und Sohn, niemals mehr aufzugeben und sich gegenseitig immer zu unterstützen. Während Jack Murdock seine Karriere wieder aufnimmt, stellt Matt fest, daß seine übrigen vier Sinne so extrem geschärft sind, daß er seine Umgebung genauer wahrnehmen kann, als je zuvor. Sein Hörvermögen ermöglicht es ihm, die Welt vor seinem geistigen Auge wieder sichtbar zu machen. Kurzum: Matt ist nun ein „Superhero“.

Als sich sein Vater eines Tages weigert, einen manipulierten Kampf zu verlieren, wird er von den Hintermännern kurzerhand ermordet. Matt schwört Rache, und geistert von nun an des nachts durch New York City, um das Unrecht zu bekämpfen. „Daredevil“, als Erwachsener nun dargestellt von Ben Affleck, ist ein düsterer Held, ein „Loner“, der sich, um schlafen zu können, in einen schalldichten Wassertank zurückziehen muss. Tagsüber arbeitet er als Anwalt, der laut seinem Partner Foggy zuviele unschuldige und arme Klienten vertritt.

Wie die meisten Comicverfilmungen ist „Daredevil“ ein optisch beeindruckender Film, mit schönen Kamerafahrten, großartigen Kulissen, schöner Farbgebung und anständiger Action. Doch leider funktioniert die Story nicht besonders gut. Ein Grund hierfür ist, daß der der Film schlicht zu kurz ist. Nur eine knappe Stunde dauert die eigentliche Handlung, zuvor werden lediglich die Handelnden Person eingeführt. Zu diesen gehören Gangsterboss „Kingpin“ (Michael Clarke Duncan), dessen Hitman „Bullseye“ (Colin Farrell) und die schöne Elektra (Jennifer Garner), Tochter eines Milliardärs. Mit Ausnahme einer zwar lustigen, aber völlig deplatzierten Kampfszene zwischen Matt und Elektra scheint „Daredevil“ zunächst den richtigen Erzählton zu treffen, doch geht es dann mit großer Geschwindigkeit in die Richtung eines allzu simplen Standard-Comic-Plots, der wirklich keinen Zuschauer überraschen dürfte.

Was eigentlich sehr schade ist, denn die Figur des Daredevils ist weitaus interessanter, als viele seiner Comic-Kollegen, und so steckt in dem Material das Potential für einen richtig guten Film. An einigen Stellen, etwa wenn unser Superheld zur Beichte eine Kirche besucht, ist dies dem Film anzumerken, doch das ist leider zu selten. Die Tatsache, dass das Ende nach einer Fortsetzung geradezu schreit, kann ich bei einem solchen Film locker verschmerzen, was aber nicht heißt, daß der Weg zu diesem Ende der richtige war.

Kurz bevor „Daredevil“ in den USA anlief, war irgendwo zu lesen, daß wegen des „Spider-Man“-Erfolges noch einmal einige Millionen Dollar ausgegeben wurden, um die Special-Effects ein wenig aufzumöbeln. Eigentlich, so hieß es, sollte der Film billiger und länger sein, wirklich düster dazu, und mit einer „R“-Freigabe versehen. Schaut man sich den fertigen Film an, kann man dies durchaus glauben. Wenn es stimmt, dann ist es schade um das verlorene Material, aber vielleicht setzen sich die Beteiligten ja demnächst mal daran, an einen ausführlichen Director`s Cut zu schneiden. Ich wäre dabei.

4/10